Heimkommen nach Grafenegg: Ein Tag mit Johannes Neubert
Für Johannes Neubert ist es mehr ein Heimkommen als ein Neubeginn. Zwischen 2005 und 2010 war er Geschäftsführer der Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H., im Oktober übernahm er die künstlerische Leitung von Rudolf Buchbinder.
Die Sessel vor dem Wolkenturm sind abgebaut, im Schlosspark von Grafenegg ist es ruhig, das letzte Konzert des Festival-Sommers liegt einige Wochen zurück. Man könnte meinen, Johannes Neubert habe sich mit dem 1. Oktober einen günstigen Zeitpunkt für seinen Einstand als künstlerischer Leiter von Grafenegg ausgesucht, fernab von Festivalstress, Bühnenproben, Künstlermanagement und Publikum.
Natürlich stimmt das so nicht – aus mehreren Gründen. Zum einen ist es für Johannes Neubert kein Einstand im klassischen Sinn. Er kennt Grafenegg nur zu gut – von 2005 bis 2010 war er hier Geschäftsführer, er ist in der Region bestens vernetzt, das Fundament für das heute so erfolgreiche Festival hat er mit aufgebaut. Im Jahr 2011 zog es ihn nach Wien, wo er bis 2019 als Intendant der Wiener Symphoniker fungierte. Im Anschluss war Neubert in Paris Délégué Général beim Orchestre National de France, bis er im Sommer dieses Jahres die Heimreise antrat. „Grafenegg ist für mich also kein Neubeginn, es fühlt sich vielmehr nach Heimkommen an.“
Den Weg nach Grafenegg kennt Johannes Neubert schon lange. Der einzige Unterschied: heute fährt er ihn elektrisch.
Zum anderen ist Johannes Neubert nur offiziell erst seit Oktober im Amt. Sein Engagement in Grafenegg begann schon früher. Inoffiziell stieg er am Höhepunkt der Festivalsaison wieder ein, um erste Gespräche mit Künstlern und Agenturen zu führen, um Interviews zu geben und um sein zukünftiges Amt von dem international geschätzten Pianisten Rudolf Buchbinder zu übernehmen. Die Funktion des künstlerischen Leiters ist kein Nine-to-five-Job, „es ist eher eine Berufung, in der man wirklich aufgehen muss, sonst macht man das nicht lange.“ Besonders während der Saison beginnen die Tage hier früh, wenn ein Konzert ansteht – den Sommer über ist das beinahe täglich der Fall –, enden sie selten vor Mitternacht.
Der Wolkenturm ist zweifelsfrei die imposanteste Bühne in Grafenegg. Auf der Bühne probt das Bayreuther Festspielorchester, das Konzert folgt in den Abendstunden.
Ein Standort, drei Bühnen
„Einen Alltag im herkömmlichen Sinn gibt es hier kaum, und das ist das Schöne an dieser Aufgabe“, sagt Neubert. Wir treffen ihn Ende August, das Festival läuft auf Hochtouren, einen Tag lang dürfen wir hinter die Kulissen blicken. Etwa in den 1840er-Jahren erbaute Reitschule, die zwischen 2024 und 2026 rundum erneuert wurde und dem Publikum nun als erweitertes Foyer sowie als Ort für Veranstaltungen und Empfänge zur Verfügung steht. Der neue Kammermusiksaal im ersten Stock wurde „Rudolf Buchbinder Saal“ genannt – eine Hommage an Neuberts Vorgänger, der Grafenegg weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht hat.
Auch in das große Auditorium nimmt uns Johannes Neubert mit. Es ist Grafeneggs zweite große Bühne und gleichzeitig das Winterquartier – hier finden bis zu 1.350 Personen Platz, die nicht nur den zahlreichen Konzerten lauschen, sondern auch Bühnenshows, Tagungen und Präsentationen erleben. Im Sommer ist es aber vor allem der Wolkenturm im Schlosspark, der die Besucher verzaubert. Die preisgekrönte Open-Air-Bühne ist dank ihrer imposanten Form nicht nur ein Genuss für die Augen, sondern auch für die Ohren: Ihre Akustik zählt zu den besten Europas und wird regelmäßig von hochkarätigen Künstlern und Ensembles wie Martha Argerich, den Wiener Philharmonikern oder Rudolf Buchbinder selbst bespielt. Während unseres Besuchs probt das Bayreuther Festspielorchester, das nur selten außerhalb des berühmten Festspielhauses in Bayreuth spielt. „Umso mehr freuen wir uns, die Musikerinnen und Musiker mit ihrem geschätzten Dirigenten Pablo Heras-Casado bei uns begrüßen zu dürfen.“
Viele der Musiker kennen Johannes Neubert aus seiner Zeit in Grafenegg, bei den Wiener Symphonikern oder beim Orchestre National de France. So auch der Dirigent Pablo Heras-Casado.
Hohe Qualität für möglichst viele
Vieles dreht sich in Grafenegg um die Musik, aber nicht alles. „Wir möchten unseren Besucherinnen und Besuchern einen Rückzugsort aus dem schnelllebigen Alltag bieten. Ein Konzertbesuch ist kein Muss, wir laden sie zum Spazieren durch den Schlosspark ein oder zum Entspannen auf der großen Wiese.“ Wer dann doch Lust auf Musik bekommt, kann beispielsweise einen der Rasenplätze vor dem Wolkenturm nutzen – 400 davon gibt es, zusätzlich zu den 1.700 Plätzen am Wolkenturm selbst. „Unser Anspruch ist es, hohe Qualität für jedes Budget zu bieten und Menschen mit klassischer Musik in Berührung zu bringen.“
Die Rasenplätze vor dem Wolkenturm sind bei den Besucherinnen und Besuchern besonders beliebt. Auch wegen des tollen Blicks auf die Kulisse.
Von der Bühne zum Tisch
Natürlich ist Grafenegg auch eine Adresse für gehobene Ansprüche. Vom Wolkenturm geht es für uns zum Grafenegg Restaurant, vor dem Eingang wartet Toni Mörwald auf uns. Er betreibt das Grafenegg Restaurant seit 2006 und kennt Neubert schon aus seiner Zeit als Geschäftsführer. Wie diese Kooperation entstanden ist, erzählt uns Mörwald mit einem Lächeln: „Der Besitzer des Schlosses hat damals zu mir gesagt: Ich habe ein Schloss, aber kann nicht kochen. Du kannst kochen, aber hast kein Schloss. Lass uns etwas machen.“
Auch Kulinarik ist eine Kunst. In Grafenegg ist sie einem der bekanntesten Gastronomen Österreichs anvertraut: Toni Mörwald.
Und die Kooperation mit Volkswagen? „Die liegt uns sehr am Herzen“, sagt Neubert. „Die Marke Volkswagen und Grafenegg teilen mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Beide Unternehmen tragen Verantwortung im Bereich Nachhaltigkeit und wollen hohe Qualität für möglichst viele zur Verfügung stellen. Das schätzen wir sehr an unserer Zusammenarbeit.“ Volkswagen ist in Grafenegg nicht nur Sponsor, sondern auch Mobilitätspartner. „Wir nutzen unsere Volkswagen-Modelle für Fahrten in der Region, als Shuttles für die Künstlerinnen und Künstler oder als emissionsfreie Last-Mile-Mobilitätslösung zwischen Bahnhof und Grafenegg für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Denn Grafenegg will mehr sein als eine Bühne für große Konzerte: ein Ort, an dem Musik Menschen zusammenbringt. Weit über den letzten Ton hinaus.