Es war in Wien, war Vienna, wo er alles tat: Mit Conny de Beauclair auf den Spuren von Falco
Conny de Beauclair machte über 40 Jahre lang die Tür im U4 – in jenem Club, in dem Falco nie auftrat, aber der Mensch Hans Hölzel gerne und viel Zeit verbrachte. Über die Jahre entwickelte sich zwischen Falco und Conny eine Freundschaft, die nicht nur auf Gemeinsamkeiten beruhte, sondern gerade wegen ihrer Gegensätze funktionierte. Warum das so war, erklärt Conny so: „Ich war damals schon Vater, hatte eine Familie, habe nie getrunken oder geraucht. Und das hat dem Hans irgendwie imponiert.“
Auf den Straßen von Wien
Heute, fast 30 Jahre nach Falcos Tod, fährt Conny durch die Stadt, die für Falco mehr als nur Heimat war. Falco lebte nicht nur in Wien, er schrieb hier Musikgeschichte. Sein Welthit „Rock me Amadeus“ erklomm 1986 als bis heute einziger deutschsprachiger Song die Spitze der US-Charts. Von den über 40 Millionen verkauften Tonträgern entfielen rund vier Millionen allein auf diese Single. Damit verankerte sich Falco so tief in der Seele dieser Stadt, dass er an vielen Orten bis heute lebt.
Wo genau, weiß Conny am besten. Er schnappt sich den Schlüssel der VW Golf Falco Edition, öffnet die Fahrertüre und setzt sich ans Steuer. Er fährt durch den fünften Wiener Gemeindebezirk, biegt auf der Höhe Kettenbrückengasse ein und hält vor einem Würstelstand. Conny steigt aus, geht zur Rückseite des kleinen Lokals und zeigt auf drei aufgesprayte Falco-Köpfe. „Der Besitzer ist ganz offensichtlich ein großer Fan. Jedes Mal, wenn da jemand etwas drüberschmiert, bessert er das sofort aus“, sagt Conny, der hier fast jeden Tag vorbeigeht. „Ich finde das schon sehr beeindruckend, wie sehr ihn die Menschen in Wien immer noch lieben“.
Die Stadt erinnert sich
Conny steigt wieder in den Golf, parkt aus, und führt uns zu der nur wenige Meter entfernten Falcostiege. Sie wurde 2003 als Erinnerung an das künstlerische Schaffen von Falco errichtet und liegt direkt vor dem Abgang zur U-Bahn-Station Kettenbrückengasse. Conny war bei der Enthüllungszeremonie dabei: „Das war schon eine große Sache. Viele Wegbegleiter, Freunde und Künstlerkollegen waren hier, auch Maria, die Mutter von Hans.“
Bevor er weiterfahren kann, wird er von einem Passanten angesprochen. Ob das der Golf wäre, den er kürzlich bei einer Feier vor dem U4 gesehen hätte? „Ja, das ist er, der Falco Golf“, sagt Conny. Der ältere Herr schmunzelt, „lustig, ich steh total auf Falco, das Auto verfolgt mich anscheinend“, und fragt höflich, ob er ein Foto machen dürfe. Conny dreht sich zu uns: „Ich hab’s euch ja gesagt, die Wiener lieben Falco noch immer“.
Wo Fans bis heute Abschied nehmen
Und es sind nicht nur die Wiener, die Falco lieben. Conny fährt zum Wiener Zentralfriedhof, wo Falco 1998 beerdigt wurde. „Als der Hans damals gestorben ist, ist für viele eine Welt zusammengebrochen. Die Anteilnahme war enorm, sicher 10.000 Leute sind damals gekommen. Auch Udo Jürgens war hier“, erinnert sich Conny. „Und ihr seht es ja selbst, die Leute kommen auch heute noch.“ Tatsächlich ist die Ruhestätte von Falco ein Besuchermagnet: Dutzende Menschen stehen vor Falcos Grab, weiter hinten nähert sich eine Touristengruppe mit Reiseführerin. Conny verabschiedet sich von seinem Freund, wir steigen in den Golf und fahren zurück in den fünften Bezirk.
Erinnerungen an den Menschen Hans Hölzel
„Eine Station müssen wir unbedingt noch mitnehmen“, sagt Conny. Er spricht von der Ziegelofengasse 37. Hier hat Falco von 1974 bis 1982 mit seiner Mutter gewohnt, hier schrieb er seinen ersten großen Erfolg „Der Kommissar“. Im selben Gebäude liegt das Gasthaus „Zum Alten Fassl“, wo Falco, damals noch als Hans Hölzel, viel Zeit verbrachte. Wir sind außerhalb der Öffnungszeiten hier, die Türe steht nur halb offen – für Conny ist das Einladung genug. Er macht einen Schritt in das Lokal, der Besitzer kommt ihm entgegen, begrüßt ihn, man kennt sich. Conny fragt, ob wir uns kurz setzen dürfen – kein Problem, am besten auf den Stammtisch von Falco, direkt neben der Eingangstüre.
Conny hat jede Menge Erinnerungen im Gepäck, die er auf unserem Tisch ausbreitet. Schallplatten, Fotoalben und Postkarten sind dabei, sogar eine unverkäufliche Musterplatte von „Der Kommissar“ gibt er uns in die Hände. Und natürlich drängt sich diese Frage jetzt auf: An welchen Moment mit Falco erinnert sich Conny privat am liebsten? „Wenn ich mir einen Moment aussuchen müsste, dann unseren gemeinsamen Nachmittag am Neufeldersee. Hans hat uns damals in unserem Ferienhaus besucht, weil er sich überlegt hat, hier einen Sommerwohnsitz zu kaufen. Er hat lange mit meiner Frau geplaudert und ihr viele intime Geschichten erzählt, die sie mir bis heute nicht verraten hat“, schmunzelt Conny. „Aber eines weiß ich sicher: Hinter der Kunstfigur Falco steckte ein Mann, dem nichts wichtiger war als Familie. Darum hat er uns wohl auch ein bisschen beneidet.“
Dass Falcos Name fast 30 Jahre nach seinem Tod auf dem erfolgreichsten Familienauto Österreichs steht, hätte ihm wohl gefallen. Dem Menschen Hans Hölzel ganz bestimmt.