Mythen und Fakten über den GTI, die Sie noch nicht kannten

Verworfene Varianten, unbekannte Typen, vergessene Siege – die Geschichte des GTI hat viele interessante Facetten. Hier sind 20 davon, die nicht jeder kennt.

1. Den GTI hätte es nie geben sollen.

Wäre es nach dem Produktplanungskommittee gegangen, stimmt das. Volkswagen war ausgerichtet auf die Produktion massentauglicher Ware, sparsam und praktisch. Zudem mussten die verlustreichen letzten Jahre der Käferzeit erst einmal verdaut werden. So war es rein der Initiative des damaligen Pressechefs und dem Enthusiasmus junger Ingenieure zu verdanken, dass man am Feierabend erste Formen eines flott motorisierten Golfs zusammenbaute. Um den Vorstand davon zu überzeugen, das Budget für eine Weiterentwicklung zu bekommen, jubelte man ihm bei einer Abnahmefahrt einen Prototypen mit mehr als 100 PS unter. Die erstaunten Reaktionen des Vorstands reichten, um erste Mittel freizugeben.

2. Der erste GTI hatte Doppelvergaser.

Zumindest fast, die Versuchsträger des GTI hatten welche. Schon 1974 entdeckten zahlreiche Tuner das Potenzial des Golf und boten Umbaukits an, mit denen die 70-PS-Versionen auf 100 PS und mehr gebracht werden konnten. Auch die ersten Versuchsträger im Werk waren derart bestückt, da es erst einmal darum ging, ob die Idee des stark motorisierten Kompakten mit den Qualitätsanforderungen und der typischen Alltagstauglichkeit von Volkswagen vereinbar waren. So war es auch ein frisiertes Vergasermodell, mit dem man den Vorstand von der Notwendigkeit eines schnellen Golfs überzeugte. Die Einspritzung gesellte sich erst später dazu.

3. GTIs hatten immer Vierzylindermotoren.

Ein besonders kurioses Detail. Denn abgesehen vom up! GTI mit drei gab es tatsächlich auch GTIs mit sechs Zylindern, wenn auch nur kurz. Die VR6 der dritten Golf-Generation waren ursprünglich als Nachfolger des GTI G60 vorgesehen und trugen zum Beispiel in den USA immer die Bezeichnung „GTI VR6“ am Heck. Sogar in Österreich war man sich anfangs nicht sicher, ob ein Modell oberhalb des GTI funktionieren würde, weswegen die heimischen Sechszylinder-Golf laut Typenschein zu Beginn auch offiziell als GTI firmierten. Der Erfolg des neuen, gediegeneren und luxuriösen VR6 sorgte aber dafür, dass man bei der Namensgebung nach nur einem Jahr eine Trennung vollzog.

4. Als Basis nahm Volkswagen immer Kompaktmodelle.

Das ist richtig, da es immer die Grundidee war, schlau dimensionierte Fahrzeuge mit praktischer Heckklappe mit Fahrspaß zu kombinieren, ohne auf volle Alltagstauglichkeit zu verzichten. Dennoch gab es schon in den späten 1970er-Jahren die Idee, diese Philosophie auf andere Modellreihen auszudehnen. So baute man ein Studienobjekt auf Basis des damaligen Passat, der nicht nur den GTI-Motor unter der Haube hatte, sondern auch dessen Sitze und optische Aufwertungen. Im Endeffekt entschied man sich aber dafür, den Passat vernünftiger zu positionieren und diese Variante als familienfreundlicheren GLI ins Programm aufzunehmen.

5. Es gab auch einen Scirocco GTI.

Stimmt, wenn auch nur kurz. Späte Sciroccos der ersten und frühe Modelle der zweiten Generation trugen dieses Kürzel, solange der Golf der ersten Generation noch vom Band lief. Nachdem die Zielgruppe eines Sportcoupés aber auf andere Attribute Wert legte und man diesen Ansprüchen mit dem neuen Scirocco mehr entsprechen wollte, verlagerte man auch hier Ausstattung und Auftreten Richtung Komfort und Seriosität. Die Technik indes behielt man, änderte die Bezeichnung aber auf GLI, später GTX um.

6. Der GTI hätte nie alltagstauglich sein sollen. 

Stimmt. Denn man wusste lange Zeit nicht darüber Bescheid, wie gut sich ein solches Modell verkaufen würde. Deswegen war bis kurz vor Serienanlauf ein knüppelhartes Fahrwerk vorgesehen, da die Annahme bestand, mit diesem Fahrzeug nur Motorsportler anzusprechen. Erst als klar war, dass der von Audi entwickelte und für den 80 GT vorgesehene 1.600er-Einspritzmotor mit 110 PS über erstaunliche Manieren und Trinksitten verfügte, drehte man die GTI-Idee noch einmal komplett um.

7. Der klassische GTI-Frontspoiler war rein für die Optik. 

Nicht richtig. Aber es stimmt, dass die große, zweiteilige Spoilerlippe ursprünglich nicht vorgesehen war; und dass sie sowohl für Technik als auch für das Marketing Vorteile brachte. Im Laufe der Entwicklungen stellte sich heraus, dass der Golf GTI nur 177 km/h schnell war. Nachdem die Marketingabteilung es als besonders wichtig empfand, eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h zu schaffen, musste man noch ein wenig am cW-Wert feilen. Und dafür kam kurz vor Serienlegung der große Frontspoiler zum Einsatz.

8. Es hätte nur 5.000 Stück vom Golf GTI geben sollen.

Stimmt. Und kein Stück mehr. Die Konzernleitung war sich bis zum Schluss nicht sicher, ob ein so starkes Modell wirklich erfolgreich sein könnte. Also einigte man sich auf die Mindeststückzahl, die für die Homologation in zahlreichen Motorsportklassen nötig war. Und selbst das wurde nur unter Zähneknirschen genehmigt, da man große Zweifel hegte, selbst diese Menge an Fahrzeugen an den Mann zu bringen.

9. Der erste GTI hatte keinen Handschuhfachdeckel.

Stimmt. Um den anberaumten Verkaufspreis noch irgendwie einhalten zu können, mussten die Kosten für den großen Frontspoiler anderswo kompensiert werden. Zudem schlug der Hinterachs-Stabilisator noch unangenehm aufs Budget, weswegen man sich entschied, den Handschuhfachdeckel einfach wegzulassen. Nachdem jedoch klar wurde, dass es bei weitem nicht bei den 5.000 Stück bleiben wird, wurden auch die Buchhalter entspannter und genehmigten für das nächste Modelljahr schließlich einen Handschuhfachdeckel.

10. Der Golf GTI war im Profi-Motorsport nie erfolgreich. 

Volkswagen selbst setzte in den frühen Jahren nur in einzelnen Rennserien einen Golf GTI ein. Das aber zum Teil sehr erfolgreich. Eine der absoluten Highlights war definitiv die Rallye-WM-Teilnahme in der seriennahen Gruppe A, wo 1986 die gesamte Saison bestritten wurde und man mit dem damals brandneuen GTI 16V die Weltmeisterschaft erringen konnte.

11. Der GTI hatte immer exklusive Motoren. 

Natürlich bediente man sich von Anfang an der Motorenpalette aus dem Konzern. Innerhalb der Golf-Palette musste sich der GTI aber nie die Motoren mit einer anderen Ausführung teilen – bis auf eine Ausnahme. Anfang der 1990er-Jahre gab es tatsächlich einmal von der dritten Generation eine herkömmliche Automatik-Ausführung als GL, die mit dem Basis-GTI-Motor mit 115 bestückt war, ansonsten aber in jedem Detail dem normalen Golf entsprach.

12. Der GTI wäre zwischendurch fast eingestellt worden. 

Ganz so schlimm war es nie. In den 1990er-Jahren war der Diesel-Boom aber so präsent und die Beliebtheit der TDI-Modelle des Golf so groß, dass die verkauften Stückzahlen des GTI manch anderen Hersteller auf den Gedanken gebracht hätten, diese Baureihe einzustellen. Der Kult um die drei Buchstaben war dafür aber schon zu groß, sodass schon früh feststand, bereits in der Entwicklungsphase des Golf der vierten Generation  GTI-Versionen fix einzuplanen.

13. Ein GTI hat immer Frontantrieb.

Das ist fast ganz richtig. Und es war auch immer die Grundidee eines jeden GTI, dank dieser Seriennähe alle praktischen Aspekte des Golf – später auch des Polo und des Up! – mit sportlichen Attributen zu vereinen. Bis auf einmal: 1990 kombinierte man zum Ende der zweiten Generation den Syncro-Allradantrieb des RallyeGolf mit dem 160 PS starken G-Lader-Motor aus dem GTI G60. Die Stückzahlen blieben aber so gering, dass es nicht einmal exakte Aufzeichnungen darüber gibt. Gemutmaßt wird von wenigen hundert Stück.

14. Es gab eine GTI-Rennserie. 

Stimmt, und das nicht nur in Deutschland. Der Golf GTI-Cup war eine beliebte Einstiegsserie in den Profirennsport, der aber auch für reine Hobbyfahrer erschwinglich war. Auch in Frankreich und Groß Britannien wurden diese Bewerbe durchgeführt, wobei jeweils weitgehend seriennahe, nur den Anforderungen an die Rundstrecke angepasste Fahrzeuge zum Einsatz kamen. Diese Serien leben bis heute unter anderem in Südafrika weiter, nur dass man mittlerweile auf den Polo GTI setzt.

15. Es gab schon früh Werkstuning für den GTI. 

Einzelne Händlerbetriebe fingen tatsächlich schon in den stürmischen 1980er-Jahren damit an, sportliches Zubehör zu vertreiben. Auch Porsche Austria erkannte früh den Markt für noch luxuriösere und stärkere Varianten des Golf und legte von den ersten zwei Generationen Kleinstserien auf, die neben klassischem Motortuning auch über Lederausstattung und sogar Klimaanlage verfügten. Aus diesen „Studienobjekten“ gingen in weiterer Folge Derivate wie der 16V, der G60 oder auch der VR6 hervor.

16. Der GTI war einmal der beliebteste Golf. 

Von den Stückzahlen konnte der GTI vor allem dem Golf mit Dieselmotor nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. 2005 war der damals brandneue Golf GTI der fünften Generation aber dermaßen beliebt, dass jeder zehnte produzierte Golf tatsächlich ein GTI war.

17. GTIs waren immer Benziner. 

Schon während der ersten Generation war die Nomenklatur so eindeutig, dass starke Diesel das Kürzel GTD trugen. 1996 machte man aber einmal eine Ausnahme. Zum 20-jährigen Jubiläum des GTI legte man eine limitierte Sonderserie auf mit Recaro-Sportsitzen, Sonderlackierung, erstmals rot lackierten Bremssätteln und 16 Zoll großen BBS-Alurädern. Erhältlich war der „Jubi“ aber nicht nur mit den bewährten GTI-Motoren mit 115 und 150 PS, sondern auch mit dem damals brandneuen TDI-Motor mit 110 PS

18. Ein GTI hatte immer nur einen Motor.

Stimmt, was die Straßenversionen angeht. Im Bereich des Motorsports ging Volkswagen aber drei Jahre lang andere Wege. Speziell für das Rennen „Pikes Peak Race to the clouds“ in Montana fertigte man drei Jahre lang Versionen mit zwei Motoren – einem vorne und einem hinten. Im letzten Jahr der Teilnahme 1987 gelang dem Werksfahrer Jochi Kleint sogar beinahe eine Sensation. Er lag trotz starker Konkurrenz aus bestem Haus bei den ersten Zwischenzeiten in Führung. Erst ein winziges technisches Gebrechen zwang ihn zur Aufgabe: die Mutter eines Traggelenks hatte sich gelöst.

19. Das GTI-Treffen war keine VW-Idee. 

Stimmt. Nachdem es in Deutschland und den Niederlanden schon zahlreiche GTI-Treffen gab, war es tatsächlich die Idee eines Gastronomen aus Reifnitz, mit einem derartigen Event die oft recht müde Vorsaison zu beleben. Dem ersten Aufruf 1982 folgten gerade einmal 80 Teilnehmer, was sich im Laufe der Jahre aber schnell ändern sollte. Volkswagen selbst trat erst Jahre später von offizieller Seite auf und unterstützte das Treffen viele Jahre.

20. Ein GTI konnte fliegen.

Jedenfalls sah das ungewohnte Flugobjekt wie ein Golf GTI aus. Ende der 1980er-Jahre trat Volkswagen als offizieller Partner des Golf-GTI-Treffens am Wörthersee auf. Neben dem steinernen Golf-Denkmal am Hauptplatz von Reifnitz startete man zusätzlich diverse Marketingaktionen für das zahlreich vertretene Publikum. Einmal ein schwimmendes Golf Cabrio. Und einmal einen tornadoroten Golf der zweiten Generation, der von einem Boot gezogen tatsächlich vom Wasser abhob. Damit dieses Kunststück gelang, verwendete man aber eine federleichte Glasfaserhülle in Form eines Golf, das auf einer einfachen Rahmenkonstruktion befestigt war. Dennoch bekam dadurch der Spruch „Nur fliegen ist schöner“ eine völlig neue Bedeutung.

Blick ins Familienalbum: Beim 5. GTI-Treffen am Wörthersee (28. Mai bis 1. Juni 1986) stellten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 967 Fahrzeugen den GTI-Schriftzug für eine Luftaufnahme nach.

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